Mein Opa erklärt BLOCKCHAIN.

Blockchain ist wie Schnitzeljagd, sagt Opa.

Blockchain – das verstehen nur Experten, oder? Denn die benutzen – ich vermute absichtlich! – möglichst komplizierte Erklärungen dafür. Ich habe mich darüber neulich mit meinem Opa unterhalten. Der hat mir ja auch schon einmal “Agile” ziemlich gut erklärt.  Lesen Sie sich gern in unser Blockchain-Gespräch ein. 

Opa: Kaichen, schön datt du da bist. Die Omma ist grad beim Friseur. Da können wir mal unter Männern reden. Du wolltest mir ja erklären, was dieses Blockchain-Gerede im Fernsehen immer soll. 

Kai: Kann ich machen.  Aber wir lassen jetzt erstmal die ganzen englischen Begriffe weg, das wird sonst nur unnötig kompliziert. Wir sprechen heute nicht über „Nodes“ und „Hashing“.Hashing? Mit Drogen will ich nichts am Hut haben, mein Junge!Opa Schmidhuber

Kai: Keine Sorge, Opa! Vom Hashing wird man nicht high … Aber jetzt mal zur Sache. Erinnerst du dich noch an die Schnitzeljagden, die du für mich immer gemacht hast? Zum Geburtstag? 

Opa: Ja, das war immer ein riesiger Aufwand. Ich hab euch ja von Hinz zu Kunz geschickt, damit ihr den Schatz nicht so schnell findet. Überall hab ich Hinweise versteckt. Und die Nachbarn haben auch ganz toll mitgeholfen. Die ganze Straße! Das war noch ein Zusammenhalt damals! Heute – ich sag dir, da ist alles anders. Ich nehme ja nur noch Pakete an. Und keiner sagt „Guten Morgen“. 

Kai: Opa! Das ist das perfekte Beispiel.

Opa: Die Pakete?

Kai: Nein, der Zusammenhalt unter den Nachbarn – und dass die alle bei der Schnitzeljagd mitgeholfen haben. Erzähl doch mal, wie du das damals genau gemacht hast.

Opa: Das war gar nicht so einfach. Ich habe eine Schatzkarte gezeichnet. Und die hab ich dann in viele kleine Stücke zerrissen und an die Nachbarn verteilt. Alle Hinweise hab ich auch in mein Notizbuch geschrieben – falls jemand was vergisst. Wann immer ihr ein Stück gefunden habt, habt ihr es ja vom Nachbarn bekommen, zusammen mit einem Hinweis auf den nächsten Ort. Am Ende konntet ihr die Schatzkarte zusammensetzen – und den Schatz finden. Das waren Zeiten, Junge, Junge! Nur einmal ist was schiefgegangen, da hat der dicke Helmut von Haus 14 das Kartenteil übermalt. Und euch extra in die falsche Richtung geschickt. Das fand er lustig. Na, dem hab ich was erzählt. Deine Oma hat ein Jahr lang nicht mehr ihm geredet.

Kai: Und genau so ist es auch mit der Blockchain.

Opa: Wie? Was hat denn die Omma damit zu tun?

Kai: Gar nichts. Stell dir doch mal vor, dass alle Nachbarn Zugriff auf dein Notizbuch mit allen Hinweisen zur Schnitzeljagd gehabt hätten – weil du es zum Beispiel unter der alten Eiche am Spielplatz vergraben hast. Nichts anderes ist Blockchain. 

Opa: Ein gemeinsames Notizbuch? Vergraben? Willst du mich verkackeiern, Junge? Das soll Blockchain sein?

Kai: Technologie ist nur so komplex, wie es Verkäufer (und Betrüger) wünschen. Es ist alles von Menschen geschaffen, die nicht klüger sind als du oder ich. Alles ist ganz einfach, wenn man es aufschlüsselt. 

Opa: Was heißt das denn jetzt genau? 

Kai: Lass es mich so sagen: Es gibt nicht nur ein einziges Notizbuch, das an einem zentralen Ort aufbewahrt wird, den viele kennen – sondern es gibt Tausende von Kopien dieses Notizbuchs, die auf Computern auf der ganzen Welt gespeichert sind. 

Opa: Aha! Ich glaub, ich hab letztens was darüber gelesen. Da war immer von „dezentralisiert“ die Rede. Meinten die das damit?

Kai: Ja, genau. Man kann so ein Notizbuch für ganz viele verschiedene Dinge benutzen. Und aktuell wird es wohl am häufigsten für das Empfangen und Senden von Geld genutzt. 

Wenn Helmut dir zum Beispiel Geld senden möchte, wird eine neue Position erstellt, die diese Transaktion detailliert beschreibt. Diese Position wird dann an Hunderte von anderen Computern gesendet, die eine Kopie des Datensatzes haben. Diese Computer bestätigen, dass die Transaktion autorisiert ist. Letztendlich bestätigen sie (oder eben auch nicht), dass die Transaktion legitim ist, bevor sie dieser Position einen Haken zur Genehmigung geben. Es muss auf jeder Kopie dieses digitalen Notizbuches perfekt passen.

Opa: Warte mal! Das ist ja wie beim Straßenfest 1982, als Helmut mir meinen Gewinnanteil aus der Lottokasse überreicht hat. Er wollte unbedingt, dass die ganze Straße dabei zuguckt. Weil er Angst hatte, dass ich behaupte, meinen Anteil nicht bekommen zu haben. Der Schisser. Peinlich war das!

Kai: Ja, in etwa so. Alle haben es bezeugt. Hätte der Betrag nicht gestimmt oder hättest du wirklich später etwas anderes behauptet, dann hätten die Nachbarn es bemerkt.

Opa: Jetzt mal ehrlich, mein Junge. Warum kann das nicht auch unsere Sparkasse? Ach, wusstest du eigentlich, dass Ganoven den Geldautomaten letzte Woche in die Luft gejagt haben?

Kai: Das Geniale an diesem gemeinsamen Buch ist, dass es keine Bank, kein zentral geführtes Unternehmen braucht – es muss keinen Mittelsmann geben. Denn das gemeinsame Notizbuch ist nicht im Besitz einer einzelnen Person oder Organisation. Es ist Eigentum von jedem, der eine Kopie hat. Das bedeutet aber nicht, dass jede Person, die eine Kopie hat, die Kontrolle hat.

Opa: Das heißt: „Einbruch zwecklos“? Kein Geldautomat, den man sprengen kann? Kein Diebstahl und Betrug?

Kai: Es ist nahezu unmöglich, Einzelposten in diesem gemeinsamen Aktenbuch zu fälschen. Wenn jemand, der eine oder mehrere Kopien des Aktenbuchs auf seinem Computer hat, versuchen würde, es unehrlich zu ändern, würden die vielen Computer, die das überprüfen werden, die Veränderungen ablehnen. Es würde einfach auffallen, dass da etwas nicht passt!

Opa: Mein Junge, das überzeugt mich nicht. Wieso reden alle davon, dass diese Blockchain die Welt verändert? Das bewertet ihr jungen Leute doch wieder völlig über! Das ist doch nichts weiter als ein neuer Weg, um den Besitz von etwas Digitalem zu überprüfen, auch wenn es identische Kopien gibt. Oder übersieht der Oppa was? 

Kai: Ja, aber genau das macht die Sache doch so groß! Bislang war eine Kopie von etwas Digitalem nicht von einer anderen Kopie zu unterscheiden. Wie bei deinem iPod, mit dem du immer deine Schlager hörst, wenn du im Garten arbeitest. Wenn ein MP3 – das ist das Dateiformat der Lieder – als Währung verwendet werden könnte, gäbe es keine Möglichkeit zu überprüfen, welche Datei das Original und welche die Kopie von „Roland Kaiser – Santa Maria.mp3“ ist. Das wäre natürlich sehr schlecht, da sich somit jeder Kopien erstellen könnte. 

Opa: Quasi wie Geld drucken?

Kai: Genau! Vor der Blockchain-Technologie war eine wirklich digitale Münze unmöglich, weil jeder die Münze millionenfach hätte kopieren und Millionär werden können.

Opa: Mit dieser Blockhain-Technologie würden mir aber noch viel mehr Dinge einfallen. Wir könnten zum Beispiel mit dem Strom handeln, den Helmut, die Müllers, Onkel Helge und ich mit den Sonnenkollektoren sammeln – je nachdem, welche Nachbarn mehr benötigen und welche viel Überschuss in ihren Batterien haben. Das könnten wir alles in das Notizbuch schreiben und verkaufen.

Kai: Ja, genau! Apropos Notizbuch: Du hast ja viele Zettel, Urkunden, Aufzeichnungen, wichtige Unterlagen und so in deinen Aktenordnern, stimmt’s? Ich wollte die doch alle einscannen und auf einem Server speichern.

Opa: Du meinst wohl „in der Cloud“, mein Junge? Das ist mir zu gefährlich! Ich würde meine wichtigen Sachen nie bei einem dieser großen amerikanischen Superunternehmen speichern.

Kai: Bin beeindruckt! Ja, genau! Aber was wäre, wenn deine Unterlagen in kleine Teile zerlegt und auf Tausenden oder Millionen von Computern auf der ganzen Welt gespeichert werden könnten? Die Auflistung, wer welche Teile der Dateien besitzt und wo sie sich befinden, kann nicht geändert werden – nur du hast den Schlüssel, um die Teile als Ganzes zu betrachten, und keine Organisation besitzt die Daten. Das ist Blockchain.

Opa: Cool! 

Kai: Ja, total! Aber ich denke, die Welt braucht noch mindestens zehn Jahre, damit all das auch wirklich vernünftig und sicher funktioniert. Bis dahin benutzen wir lieber das Notizbuch und machen eine altmodische Schnitzeljagd wie früher. 

Opa: Genau so machen wir das! Aber der Helmut macht nicht mit, ja?

ENDE

Kai, Enkel von Opa Schmidhuber. Macht aber keine Enkeltricks.

Buchungen für Speaker-Auftritte gerne über www.ai-retail.com . Ich spreche zu allen Themen der digitalen Transformation, insbesondere persönliche Projekt-Fails, HR, IT, Startups und Data Science. Mein Anspruch: Digital entmystifizieren. Es laufen so viele Magier und PowerPoint-Jongleure mit Buzzword-Kanonen herum – die stören die digitale Transformation in Unternehmen. Weil sie daraus eine Geheimwissenschaft machen. Und durch konstruierte Komplexität ein unsinniges Expertentum etablieren wollen. Ich sage: weg damit. Ich vermittele digitale Transformation so wie ihre Großmutter ein Kuchenrezept. Zutaten, Anleitung und ein paar Tips zum Gelingen. Guten Appetit.

Hier noch meine weiteren Artikel, unter anderem ein Koch-Rezept für neuronale Netze und natürlich noch mehr von Opa und Oma Schmidhuber.