Kaufen Sie keine Bücher über digitale Transformation.

Der Titel klingt reißerisch. Aber ich meine es auch so. Wieso ich das so sehe, möchte ich Ihnen kurz erklären.

Allein 50.000 Suchergebnisse in der Kategorie Bücher erhalten Sie in der amerikanischen Version von Amazon, wenn man nach „Digital Transformation“ sucht.

Fünfzigtausend.

Die deutsche Amazon Website bietet zu dem selben Suchwort  (digital mit “e” am Ende):

 668 Ergebnisse.

Die Vorschläge der ersten Suchergebnisseite, in der Regel die aktuellen Beststeller, datieren aus den Jahren 2016, 2017 und 2018. Uralt, nach heutigen Maßstäben der Digitalisierungs- und Veränderungsgeschwindigkeit. 2016 war die Datenschutzgrundverordnung noch als dunkle Wolke am Horizont in weiter Ferne. 2017 Facebook als Data-Heilsbringer in jeder Digital-Gazette gehyped. Und heute?

Aber die Daten verraten noch viel mehr: Einerseits scheinen die Amerikaner in der Erschließung der Sachbuchkategorie „Digitale Transformation“schon deutlich weiter zu sein als wir in Deutschland. Andererseits erklärt dies auch, wieso heuer wirklich nahezu jeder berufliche Turnschuhträger ein Buch über Digitalisierung veröffentlicht. Da ist aber Luft nach oben. Noch Platz für mindestens 49.000 weitere “Meisterwerke”.

Sie lesen es vielleicht schon heraus: Ich bin da wirklich kein Fan von. Bücher im Allgemeinen, besonders “echte” aus Papier, halte ich für unersetzlich und unglaublich wertvoll und wichtig. Alleine diesen Satz überhaupt zu schreiben, kommt mir lächerlich trivial vor. Aber genau deswegen empfinde ich das Publizieren von Fachliteratur zu „Digitaler Transformation“ auch als so falsch.

Lassen Sie mich kurz erklären, wieso.

Was ist die liebste Sportart der Deutschen? 

Fussball, oder? 

Wieviele Bücher kennen Sie, die „Fussball“ erklären? Bücher, die Methoden und Konzepte erfolgreicher Spieler auflisten. Daraus eine Wissenschaft machen. Mit Flussdiagrammen und schicken Bezeichnungen aufwarten. So nach dem Motto „Das TOR-Prinzip – Fussballspiele spielend gewinnen.“ In diesem fiktiven Buch würde dann auf 244 Seiten mit hoher Papier-Grammatur (damit es dicker wirkt) ausgebreitet, wofür die Buchstaben „T“ „O” und „R” stehen. Mit Bildern, Fotos, Interviews und selbstverständlich auch mit dem Angebot einer weiterführenden “TOR-Beratung” des Buchautors, der in der Regel – ganz rein zufällig – in einer Consultingunernehmung als Coach oder Berater tätig ist. Oder eine ebensolche gerade gegründet hat. …Als erstes erstmal ein Buch schreiben. Das verschafft Respekt und Glaubwürdigkeit.

Und warum gibt es so etwas nicht für Fussball? Ganz einfach! Weil Fussball ein extrem dynamisches und agiles Spiel ist. Und auf den Gewinn eines Matches gibt es kein Patentrezept. Es ist notwendig, sich auf jeden einzelnen Gegner explizit und individuell einzustellen und vorzubereiten. Gibt es Fachliteratur für Fussballtraining? Klar, und das ist auch gut so. Aber es gibt kein Buch, mit dem der Trainer im Endspiel unterm Arm am Spielfeldrand steht. Und dann, hektisch auf der Trainerbank kippelnd, darin wild blättert wie der Menschenjunge Bastian in der unendlichen Geschichte. Und erst nach Lektüre eine Anweisung vom Spielfeldrand in Richtung Mannschaft propagiert.Und aus dem selben Grund sollte es keine Fachbücher über Digitalisierung geben. Da es sie schon gibt, empfehle ich Ihnen stattdessen, sie vollständig zu ignorieren.

 Warum? 

Weil Sie gerade im Endspiel sind! 

Und noch mehr, weil digitale Transformation weder ein linearer Prozess ist, noch in ein allgemein gültiges Schema gepresst werden kann. Wir stecken doch gerade erst mittendrin! 

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – ich liebe zum Beispiel Kochbücher! Ich mag auch Sachbücher, die die Welt erklären. Ich schmökere sogar immer noch gerne in meinem Diercke Weltatlas aus der Schulzeit. Aber diese Bücher beschreiben Fakten, allgemeingültige Tatsachen oder Rezepte. Ein wachsweiches Ei braucht sieben Minuten in kochendem Wasser. Öl, Essig, Senf und Zucker ergeben eine einfache Vinaigrette für einen Salat. Stimmt immer! Weil die Rahmenbedingungen identisch sind. Egal, ob sie in der Küche ihrer Airbnb-Urlaubswohnung in Paris oder bei sich zu Hause in Wanne-Eickel stehen.

So läuft es aber nicht in Unternehmen, wenn es um die digitale Transformation geht. Einem Thema, das für alle Beteiligten in der Regel absolut neu ist. Es entsteht eine Dynamik, die kein Buch der Welt vorhersehen kann. Geschweige denn, die richtigen Taktiken und Strategien – basierend auf Branche, aktueller Marktsituation und Mitarbeiterbefinden – vorzuschlagen. Und schon gar nicht die richtigen Reaktionen bei deren Umsetzung. Es ist also Zeitverschwendung. Es gibt kein Playbook für die digitale Transformation.

Was stattdessen tun? 

Nun, das können Sie in meinem neuen Buch lesen! 

Titel: “Digitale Transformation ohne Buch und Leitfaden gestalten. DAS HANDBUCH”.

Ab sofort im Buchhandel und bei Amazon für 34,99 Euro! Steuerlich absetzbar. Sichern Sie sich Ihr handsigniertes Exemplar mit dem Code “GelesenGelachtGelocht“. Erschienen im Hochstapler-Verlag.

277 dicke Seiten. Inklusive 30 Seiten für Notizen. Als Service!

Scherz! Gibt es natürlich nicht!

Ich habe digitale Transformation in 4 Mega-Konzernen als Mitarbeiter, Führungskraft und C-Level gestaltet, eigene Startups aufgebaut, andere beraten. Aber würde ich darüber schon ein allgemeinverbindliches Buch schreiben wollen? Eher nicht. 

Zum Fazit:

Ich sage nicht, dass Sie sich keine Hilfe holen sollen. Ich sage auch nicht, dass Sie sich nicht inspirieren lassen sollten. Aber das geht heutzutage doch deutlich praxisnäher sowie aktueller. Ich empfehle Ihnen zum Beispiel den Besuch einer „FuckUp Night“ in Ihrer Umgebung. Dort können Sie aus erster Hand von Unternehmern, Gründern und anderen erfahren, wie man es NICHT macht. Wie man scheitert und woran. Ein guter erster Schritt. Aber der wichtigste Schritt ist, zunächst einmal zu verstehen, WARUM die digitale Transformation für Ihr Unternehmen relevant ist. Da brauchen Sie kein Buch für. Und diese Frage beantworten Ihnen Ihre Kunden sogar kostenlos. Jeden Tag. Und es gibt ganz gewiss viele Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen, die geradezu Experten für Ihre Kunden sind. Das kann man in Workshops erarbeiten. Gerne auch mittels etablierter Methoden wie „Design Thinking“. Und dazu gibt es sogar auch richtig gute Bücher. 

Wie sehen Sie das? Haben Sie schon Bücher über digitale Transformation gelesen, die Ihnen wirklich geholfen haben? 

Wenn dieser Artikel 1000 Likes erhält, schreibe ich das oben angekündigte Buch und jeder “Liker” bekommt ein persönliches Exemplar. Aber nicht lesen!